Assoziationismus und Gedächtnis

Wenn mir bei der ersten Orientierungslektüre über die Funktionsweise und Erforschungsgeschichte des Gedächtnisses ein Gedanke ankommt, will ich ihn hier ablegen. Das populärwissenschaftliche Buch, mit dem ich als Arbeitsgrundlage ein paar Bildungslücken zuspachtele, titelt: "Aristoteles und Assoziationismus". Darin kommen die üblichen sehr leidigen Aufzählungen von drei oder vier Sachen, die immer den wissenschaftlichen Autoren zur Begründung von Metaphern oder Assoziationen zu genügen scheinen. Z.B. hier: "Stühle und Tische sind insoweit ähnlich, als dass sie häufig aus Holz bestehen, sich oft in Küchen befinden und in ihrer Funktion mit der Einnahme von Mahlzeiten assoziiert werden." Plus Häufigkeit der Wahrnhemung zusammen, plus Kontiguität in Zeit und Raum.

Diese Begründungsmanie lässt aber unbeachtet, dass es auch möglich ist, ganz arbiträre Dinge zu verknüpfen.

Die Verknüpfung bereitet, würde ich vermuten, performativ Lust, mal, weil sie keinen Grund hat, mal weil sie so naheliegend scheint, dass fast keine eigene Tat dazu nötig erscheint.

Die Auswahl, was man verknüpft, ist gefühlt ungetrennt von der Auswahl der begehrenswerten Personen und der Kleider und so. Hat vergleichbare Wichtigkeit bei einer Einordnung als Spaß, Freiwilligkeit, Austobefeld. Mit Überschattungen durch einige empfundene Verpflichtungen: zur Treue einem Stil oder Prinzip oder vielleicht der eigenen Herkunft gegenüber; zur Vermeidung von Überschreitungen gewisser Grenzen, jenseits derer man sich zu sehr von einem gesellschaftsfähigen Normalbereich entfernen würde; zu einer Anschmiegung an ein Ziel. Das könnte man kondensieren als Orientierungen aus Vergangenheit, Gegenwart (Umgebung) und Zukunft.
stabigabi1 - 8. Okt, 15:56

Strukturelle Mimikry

Zum Beispiel scheint Locke - hier folge ich aber vorerst meinen populärwissenschaftlichen Autoren - für seine Theorien der Begriffsbildung die Strukturen des seinerzeitigen Stands der Chemie übernommen zu haben.

Oder, will man keinem der beiden den Anfang geben, lag zu einer gewissen Zeit eine gewisse Art der Erklärung im Trend, so wie bei uns immer noch evolutionäre oder psychoanalytische Theorien einen breiten Anwendungskanon finden, die Gestalttheorien hingegen eher untergegangen sind, vielleicht aufgrund eines weniger fassbaren begrifflichen Fuhrparks.

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