Was ist Komplexität

Dienstag, 8. Oktober 2013

...

In der weiteren Folge dieses Absatzes wird eine Linie gezogen vom Gegensatzpaar: "Aristoteles' Empirismus und Platons Vorstellung, man werde mit ererbten Ideen geboren" zum "nature vs. nurture", also der Frage, was einen mehr prägt, die genetische Anlage oder die Erziehung durch die Umwelt.

Sofort kommen mir da die komplexeren Ersatzastrologien wie Sozionik und Gurdjeffs Enneagramm in den Sinn: Anlagen vorausgesetzt, werden bei ihnen, durchaus die abkürzenden Vorausskizzen der mathematischen Kombinatorik nach und nach empirisch ausfüllend, die Wechselwirkungen verschiedener angeborener Eigenschaften oder eben Anlagen analysiert. Nach meinem ersten Eindruck hat die konventionelle Wissenschaft die Komplexität dieser Rechnungen immer gescheut und ihr gesammeltes Faktenwissen meist nach schmerzhaft primitiven Funktionstheorien weiterverarbeitet.

Zugegeben verschlägt es einem den Atem, wenn man die mathematisch möglichen Kombinationen von auch nur drei oder sechs angeborenen Eigenschaften, die man auf dem Weg durch das Leben verfolgen will, überschlägt. Der stark Schüchterne kann z.B. die Schüchternheit, weil sie so auffällig ist, bekämpfen (erfolgreich, teils erfolgreich, oder scheiternd), oder sich auf seine anderen Talente konzentrieren (wobei es sein kann, dass sich auf andere Weise die Schüchternheit auflöst). Die Schüchternheit kann man aber selbst wieder plausibel als ein Phänomen betrachten, das eine Umgangsweise mit allen möglichen Sachverhalten darstellt, z.B. könnte es genausogut sein, dass sich das schüchterne Mädchen heillos überlegen fühlt, aber die Berührung dieser Überlegenheit mit der Umwelt verständlicherweise vermeiden will, oder dass sie sich tatsächlich, wie das Klischee sagt, mangelhaft einschätzt und deshalb Scham empfindet, oder etwas völlig anderes.

Vermutlich können charakteristische Abfolgen, die häufig vorkommen, charakterisiert werden, und daraus die beteiligten Eigenschaften erraten werden, ähnlich wie man die absolute Tonhöhe manchmal mit hoher Wahrscheinlichkeit erraten kann, wenn man die Melodieharmonik und die Häufigkeit der verschiedenen Tonarten kennt. Aber man rät oft falsch, und letztlich bleibt es Mathematik, also ein über der weiterhin unbekannten Wirklichkeit schwebendes künstliches Modell, von dem aus man mit konstruierten Modulen (Sprache, wa?) der Wirklichkeit winkt.

Assoziationismus und Gedächtnis

Wenn mir bei der ersten Orientierungslektüre über die Funktionsweise und Erforschungsgeschichte des Gedächtnisses ein Gedanke ankommt, will ich ihn hier ablegen. Das populärwissenschaftliche Buch, mit dem ich als Arbeitsgrundlage ein paar Bildungslücken zuspachtele, titelt: "Aristoteles und Assoziationismus". Darin kommen die üblichen sehr leidigen Aufzählungen von drei oder vier Sachen, die immer den wissenschaftlichen Autoren zur Begründung von Metaphern oder Assoziationen zu genügen scheinen. Z.B. hier: "Stühle und Tische sind insoweit ähnlich, als dass sie häufig aus Holz bestehen, sich oft in Küchen befinden und in ihrer Funktion mit der Einnahme von Mahlzeiten assoziiert werden." Plus Häufigkeit der Wahrnhemung zusammen, plus Kontiguität in Zeit und Raum.

Diese Begründungsmanie lässt aber unbeachtet, dass es auch möglich ist, ganz arbiträre Dinge zu verknüpfen.

Die Verknüpfung bereitet, würde ich vermuten, performativ Lust, mal, weil sie keinen Grund hat, mal weil sie so naheliegend scheint, dass fast keine eigene Tat dazu nötig erscheint.

Die Auswahl, was man verknüpft, ist gefühlt ungetrennt von der Auswahl der begehrenswerten Personen und der Kleider und so. Hat vergleichbare Wichtigkeit bei einer Einordnung als Spaß, Freiwilligkeit, Austobefeld. Mit Überschattungen durch einige empfundene Verpflichtungen: zur Treue einem Stil oder Prinzip oder vielleicht der eigenen Herkunft gegenüber; zur Vermeidung von Überschreitungen gewisser Grenzen, jenseits derer man sich zu sehr von einem gesellschaftsfähigen Normalbereich entfernen würde; zu einer Anschmiegung an ein Ziel. Das könnte man kondensieren als Orientierungen aus Vergangenheit, Gegenwart (Umgebung) und Zukunft.

Mittwoch, 21. August 2013

Spannungslose, intentionslose Komplexität

Nun 'spannungslose, intentionslose Komplexität': Das ist ein Leben in der Erwartung, beständig neu und anders reagieren zu müssen, um sich in seinem Zustand zu erhalten, ohne daß man den Zusammenhang überblickte, der dazu zwingt.

Samstag, 17. August 2013

Was ist Komplexität?

.. .. ..

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

"Wieso", wirft H. ein,...
"Wieso", wirft H. ein, "die Ablöse der Religion ist...
stabigabi1 - 8. Okt, 16:32
Ging davon aus...
Was für eine Gutelaune-Phrase, eine Sonntagsfahrer-Phrase,...
stabigabi1 - 8. Okt, 16:10
Puppenspiele
Nein, wirklich, diese Kindergrottenbahn durch die Philosophiegeschichte...
stabigabi1 - 8. Okt, 16:06
Strukturelle Mimikry
Zum Beispiel scheint Locke - hier folge ich aber vorerst...
stabigabi1 - 8. Okt, 15:56
Populärwissenschaftliche.. .
"die Menschen besuchten Vorlesungen in Philosophie...
stabigabi1 - 8. Okt, 15:49

Links

Suche

 

Status

Online seit 4558 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. Okt, 16:32

Credits


Die Stadt atmet Chlebnikov
Direkte Sachen die Wahrnehmung herstellen
ENDLICH: Die Anwendung des schlechtesten Werkzeugs
Ge. Wilh. Fr. Hegel
HÜTE UND FRÜCHTE
Mangel an Kritik
Momente der Wahrheit (Titten klopfen)
Sammlung der Intensitäten
Sechs der Acht besten
Was ist Komplexität
Wörterbuch der neuen philosophischen Metaphern
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren