Critique of Steam Punk
Hab heute Susan Sontags Skizzen zum Camp wiedergelesen. Im Moment mag ich ihr ruhiges, sicheres Urteil. Obwohl sich die Thesen wiederholen und ich insgesamt mit diesem Essay ein bisschen unzufrieden bin, zeichnet er eine Grenze präzise, nach der ich mich letztens gefragt habe angesichts der Bilder im Nationalmuseum in Edinburgh, die ich als Kitsch bezeichnet hätte, und die mich faszinieren. In ihrer allerletzten These kommt sie - raffiniert - darauf zu sprechen, was einem die ganze Zeit im Kopf brüllt: die Verbindung mit der Ökonomie. Camp, in seinem Ursprung in der Langeweile, wachse auf dem Boden des materiellen Überflusses. Nicht des persönlichen unbedingt, aber der Gegend. Sehr plausibel. Aber es reizt zum Gegenbeweis auch. Die Armut in betulich-häuslichen Gegenden, die Kältevorsorge - also, die Kälte zwingt einen zum Ernst. Aber ich sehe schon viel Dandytum unter den sehr armen in sehr armen Gegenden, es könnte also sein, dass sowohl null Besitz als auch soviel, dass man über Geld nicht nachdenken muss, Dandytum ermöglicht, der nur dann nicht aufkommt, wenn man die innere Unfreiheit des, weit gefasst, Kleinbürgertums hat.
stabigabi1 - 17. Aug, 16:02
Er behandelt auch die Anfänge des industriellen Designs in den Porzellanmanufakturen. Design hat, meint er, erst später das Anrüchige bekommen, den es für Genies hat, seit der Geniebegriff verwagnerisiert wurde. H. Millesi warf hier ein, dass es eine Revolution war, als im Jugendstil ernstzunehmende Künstler sich mit Kunsthandwerk, Dekor und Gebrauchsgegenständen befassten. Aber ich meine, dass die Folie, vor der das ein bisschen revolutionär gewirkt haben könnte, erst kurz davor entstanden war. War die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht voll mit immer ärger fantastisch ("orientalistisch") werdenden klassizistischen Fantasien? War dieser fantastische Klassizismus nicht so ähnlich Realismusfern wie der Comics-Stil heutzutage? Manierismen, jedenfalls, und was war der Punkt - ach ja, dass sich die Künstler, die das designten, ganz gewiss ernst nahmen. Der Blick, dass man sich wundert, dass "ein so ernstzunehmender Künstler wie Kokoschka Illustrationen machte", ist ein neuer, kommt vom Kanon der Künstler, die WIR im 20./21. Jahrhundert gelernt haben, als die Großen zu bezeichnen. Mit einem Geniebegriff, der eigentlich erst, seit er, offiziell verboten, in den Gehirnen der Jugendlichen seinen Duft entfaltet, zum wirklich reifen Käse geworden ist.
Sontag unterscheidet drei Qualitäten: so was wie Klassizismus, das Straighte: Schöne, Gute und Wahre; dann als zweite das Arge, und als dritte nennt sie dann den Camp: das Schöne, dessen Schönheit die Moral aushebelt. Stellt man sich diese drei Kategorien - sind es mehr? Mir fallen keine mehr ein! - als einander überschneidende, transluzente Kreise vor, welche Wahrnehmungsweisen, nicht Eigenschaften oder die Kunstwerke selbst, darstellen, so kömmt es mir plausibel vor.
Classic Gay Camp
Bad Gay Camp
Good Straight Camp
Bad Straight Camp
High Camp
Low Camp
Ultra Camp
Bad Ultra Camp
Quasi-Camp
Subversive Camp
Reactionary Camp
Liberal Camp
Conservative Camp
Intentional Camp
Unintentional Camp
Good Intentional Straight Camp
Hier zu finden:
http://natbrut.com/notes-on-camp-labruce/