"die Menschen besuchten Vorlesungen in Philosophie und Naturwissenschaften, so wie man heutzutage ins Kino oder auf ein Rockkonzert geht. Ein besonders berühmter Wissenschaftler, Isaac Newton, demonstrierte, dass weißes Licht durch eine Prismen-Linse in einzelne Farben gebrochen werden kann, die dann durch eine andere Linse wieder zu weißem Licht werden.
Inspiriert durch Newtons Arbeiten, hoffte John Locke (1632 - 1704) das, was Newton für das Licht getan hatte, für den Geist tun zu können: zu zeigen, wie man den Geist in Elemente zerlegen kann, die miteinander kombiniert das Ganze der bewussten Erkenntnis ergeben."
Eine gute Idee!
In ihr wittere ich aber einen "Delphin". Damit meine ich, einen Ausgang durch Sprung ins Meta, so wie ein Delphin aus dem Wasser springt und sich betrachten lässt. Also, Locke zerlegt also den Geist, und baut ihn wieder zusammen, dabei kommt aber nicht das gesamte Bewusstsein heraus, sondern ein Spiegel davon, was er gerade zu tun versucht, nämlich bewusste Erkenntnis. Geiler Trick.
stabigabi1 - 8. Okt, 15:38
Grad wollt ich das Heft zum Steirischen Herbst mit der grauslichen baumleckenden Altmännerzunge drauf wegschmeißen, da entdeckte ich eine tolle Seite darin. Anstelle eines Essays waren seine Bestandteile abfotografiert: eine Seite in einer Erzählung mit eingeringeltem Zitat, eine Skizze der daran anknüpfenden ---nun, was denn? Es war nicht bloß ein Gedanke, sondern seine Formulierung war bereits auf eine geisteswissenschaftliche Publikation ausgerichtet, also durchwachsen mit Palaver, Diskursivem Reden - und noch ein anderer Entwurf.
Man würde nun denken, dass es besser wäre, zu überlegen, was man zu sagen hat, und das im geeignetsten Medium dann möglichst knapp, lesbar und angemessen zu veröffentlichen. Also mit Computer geschrieben, um Versatilität und Veränderbarkeit zu gewährleisten, und das lesende Auge nicht durch Handschrift und mehrere ungeschickte Ansätze sowie die Oberfläche eines verstaubten Schreibtisches zu irritieren.
Aber genau das erfrischte.
Ich denke, die Perfektionierung des Schreiboutputvorgangs durch Word ist ideal, wenn man weiß, wonach man sich richtet. Um aber diese gewohnte, leidige Schicht von Palaverismus auseinanderzubrechen und rauszufinden, in welchem Arbeitsschritt er eigentlich sich in den Gedanken mischt, ist die Publikation einer Arbeit in dieser Form, sofern sie durchdacht und nicht exzessiv gehandhabt wird, ein geeignetes Mittel. Man wird nämlich bei der Auswahl der Fragmente, die man teilweise wird neu schreiben müssen, scharf überlegen müssen, durch welchen Parcours an Nachvollzug der Leserin geholfen, sie mit ästhetischen Freuden erfrischt, und nicht etwa durch meine zur Schau gestellte Unentschlossenheit ermüdet ist. Die Regeln können nicht streng genug sein: Keine freiassoziativen Sprünge, wo die Autorin selbst zu zerstreut ist, um rauszufinden, warum ihr eine Assoziation wertvoll erscheint; die Beziehung der Teile zueinander muss zu mindestens 70 Prozent benennbar sein.
Wahrscheinlich sollte ich den Titel dieses Beitrags zur Sicherheit in die Einzahl verwandeln: Der Faksimile-Aufsatz.
stabigabi1 - 8. Okt, 15:15
Religion sind diejenigen Handlungsbegründungen, die alle akzeptieren, weil sie die aktuell funktionierende Konvention darstellen.
(Es ist dabei funktional unwichtig, ob der Verwender wirklich an sie glaubt oder nicht, und auch die traditionelle Verknüpfung von Verhaltensregelung mit individueller Seelenpflege, wie sie heutzutage im Islam zum Beispiel noch lebendiger ist, ist nur zufällig eine Weile in der Religion vereint worden, sodass wir, danach kommend, noch immer die Definition der Religion daraus zu bauen versuchen.)
Insofern ist sehr deutlich, dass die zur Zeit ziemlich global herrschende Religion die des Legalismus ist, der Jurisprudenz, mit einer umfassenden effektiven Macht, die sogar die einstige der katholischen Kirche, über die wir uns bei der Betrachtung der Geschichte immer so wundern, bei weitem übersteigt.
Es gibt also Grund, sich auch über die Gegenwart sehr zu wundern - oder aber keinen Grund, sich je zu wundern, so kann man es natürlich auch sehen.
stabigabi1 - 8. Okt, 14:49
In der weiteren Folge dieses Absatzes wird eine Linie gezogen vom Gegensatzpaar: "Aristoteles' Empirismus und Platons Vorstellung, man werde mit ererbten Ideen geboren" zum "nature vs. nurture", also der Frage, was einen mehr prägt, die genetische Anlage oder die Erziehung durch die Umwelt.
Sofort kommen mir da die komplexeren Ersatzastrologien wie Sozionik und Gurdjeffs Enneagramm in den Sinn: Anlagen vorausgesetzt, werden bei ihnen, durchaus die abkürzenden Vorausskizzen der mathematischen Kombinatorik nach und nach empirisch ausfüllend, die Wechselwirkungen verschiedener angeborener Eigenschaften oder eben Anlagen analysiert. Nach meinem ersten Eindruck hat die konventionelle Wissenschaft die Komplexität dieser Rechnungen immer gescheut und ihr gesammeltes Faktenwissen meist nach schmerzhaft primitiven Funktionstheorien weiterverarbeitet.
Zugegeben verschlägt es einem den Atem, wenn man die mathematisch möglichen Kombinationen von auch nur drei oder sechs angeborenen Eigenschaften, die man auf dem Weg durch das Leben verfolgen will, überschlägt. Der stark Schüchterne kann z.B. die Schüchternheit, weil sie so auffällig ist, bekämpfen (erfolgreich, teils erfolgreich, oder scheiternd), oder sich auf seine anderen Talente konzentrieren (wobei es sein kann, dass sich auf andere Weise die Schüchternheit auflöst). Die Schüchternheit kann man aber selbst wieder plausibel als ein Phänomen betrachten, das eine Umgangsweise mit allen möglichen Sachverhalten darstellt, z.B. könnte es genausogut sein, dass sich das schüchterne Mädchen heillos überlegen fühlt, aber die Berührung dieser Überlegenheit mit der Umwelt verständlicherweise vermeiden will, oder dass sie sich tatsächlich, wie das Klischee sagt, mangelhaft einschätzt und deshalb Scham empfindet, oder etwas völlig anderes.
Vermutlich können charakteristische Abfolgen, die häufig vorkommen, charakterisiert werden, und daraus die beteiligten Eigenschaften erraten werden, ähnlich wie man die absolute Tonhöhe manchmal mit hoher Wahrscheinlichkeit erraten kann, wenn man die Melodieharmonik und die Häufigkeit der verschiedenen Tonarten kennt. Aber man rät oft falsch, und letztlich bleibt es Mathematik, also ein über der weiterhin unbekannten Wirklichkeit schwebendes künstliches Modell, von dem aus man mit konstruierten Modulen (Sprache, wa?) der Wirklichkeit winkt.
stabigabi1 - 8. Okt, 13:59
Wenn mir bei der ersten Orientierungslektüre über die Funktionsweise und Erforschungsgeschichte des Gedächtnisses ein Gedanke ankommt, will ich ihn hier ablegen. Das populärwissenschaftliche Buch, mit dem ich als Arbeitsgrundlage ein paar Bildungslücken zuspachtele, titelt: "Aristoteles und Assoziationismus". Darin kommen die üblichen sehr leidigen Aufzählungen von drei oder vier Sachen, die immer den wissenschaftlichen Autoren zur Begründung von Metaphern oder Assoziationen zu genügen scheinen. Z.B. hier: "Stühle und Tische sind insoweit ähnlich, als dass sie häufig aus Holz bestehen, sich oft in Küchen befinden und in ihrer Funktion mit der Einnahme von Mahlzeiten assoziiert werden." Plus Häufigkeit der Wahrnhemung zusammen, plus Kontiguität in Zeit und Raum.
Diese Begründungsmanie lässt aber unbeachtet, dass es auch möglich ist, ganz arbiträre Dinge zu verknüpfen.
Die Verknüpfung bereitet, würde ich vermuten, performativ Lust, mal, weil sie keinen Grund hat, mal weil sie so naheliegend scheint, dass fast keine eigene Tat dazu nötig erscheint.
Die Auswahl, was man verknüpft, ist gefühlt ungetrennt von der Auswahl der begehrenswerten Personen und der Kleider und so. Hat vergleichbare Wichtigkeit bei einer Einordnung als Spaß, Freiwilligkeit, Austobefeld. Mit Überschattungen durch einige empfundene Verpflichtungen: zur Treue einem Stil oder Prinzip oder vielleicht der eigenen Herkunft gegenüber; zur Vermeidung von Überschreitungen gewisser Grenzen, jenseits derer man sich zu sehr von einem gesellschaftsfähigen Normalbereich entfernen würde; zu einer Anschmiegung an ein Ziel. Das könnte man kondensieren als Orientierungen aus Vergangenheit, Gegenwart (Umgebung) und Zukunft.
stabigabi1 - 8. Okt, 13:45
... nun eigentlich. frug fragte fröggte ich mich.
was wirklich not täte. mal wieder zu besprechen, was wir schreiben. ich traf letztens eine wirkliche leserin. sie nimmt das ernst, was ihr schreibt. ihr nehmt es aber selbst kaum noch ernst. also zu haus schon und so weiter (auf festreden ja haha!!) aber untereinander? mal aufzeigen, wer alle bücher der anderen gelesen hat? klar, das geht kaum, verstehe ich auch. aber wohin soll das führen? bevor wir nun neue diskussionen eröffnen nach dem alten kapitalistischen prinzip alles neu und weiter weiter wäre auch mal schön, wenigstens ein paar texte von uns richtig zu lesen und zu besprechen, anzufeinden oder sich damit trunken zu machen
stabigabi2 - 21. Aug, 15:13
"Dem GEkränkten, Zurückgesetzten geht etwas auf, so grell wie heftige SChmerzen den eigenen Leib beleuchten. Er erkennt, dass im INnersten der verblendeten Liebe, die nichts davon weiß und nichts wissen darf, die FOrderung des UNverblendeten lebt. IHm geschah unrecht; daraus leitet er den Anspruch des REchts ab und muß ihn zugleich verwerfen, denn was er wünscht, kann nur aus FReiheit kommen. IN solcher Not wird der Verstoßene zum Menschen." Adorno, Minima Moralia
stabigabi3 - 21. Aug, 13:13
TO PASS THROUGH PAIN ANT NOT KNOW IT,
A CAR DOOR SLAMMING IN THE NIGHT.
TO EMERGE ON AN INVISIBLE TERRAIN.
(So beginnt Ashburys Langgedicht: A WAVE)
stabigabi3 - 21. Aug, 11:20
Nun 'spannungslose, intentionslose Komplexität': Das ist ein Leben in der Erwartung, beständig neu und anders reagieren zu müssen, um sich in seinem Zustand zu erhalten, ohne daß man den Zusammenhang überblickte, der dazu zwingt.
stabigabi3 - 21. Aug, 11:17
"Ich hatte einen Freund. Er hatte es in sich. Familie. Ausweis. Kaum zu glauben, aber er ist tot. Ich hatte ihn streng geprüft. Auch er schien nach Gottes Angesicht und gottähnlich geschaffen zu sein. Aber wer weiß was für einen der Verdammnis anheimgefallenen Urahn er hatte so dass mein Freund sterben musste. Ich hatte einen Kollegen im Dichterkreis. Er schrieb Gedichte. Ich schrieb Gedichte. Wir setzten uns äußerst beängstigenden Abenteuern aus um jene Gedichte zu schreiben so dass wir amüsiert verfolgten ob auch sie uns einmal zur Hilfe kommen würden. Ich fragte ihn ob es in einer langen Ahnenreihe jemanden gegeben hatte der es verdient hatte verdammt zu werden. Er war ein kultivierter Mensch. Uns sagte er sei ziemlich sicher dass es so jemanden gegeben habe. Eines Nachts geriet er in Atemnot und starb."
AUs: Heute Nacht hat mich mein TOd beim BEten ein bisschen gestört. Von D. Banelescu, aus dem BAnd Was schön ist und dem DAniel gefällt, übersetzt von Ernst Wichner, Seite 25f
stabigabi3 - 20. Aug, 15:10
Dies ist eine Art Veranstaltungskritik, erweiterte. Letzte Woche lud mich M zu einem Theaterspektakel über Wagner ein. Er war von einer früheren, ähnlich angelegten Arbeit des selben Regisseurs über Alma Mahler beeindruckt gewesen, und wollte sich dies nun auch geben, auch wenn er eine Enttäuschung befürchtete, die auch eintrat. Susan Sontag - die ich übrigens gerade lese, weil M so überraschend von ihr geschwärmt hatte - meint in der Einleitung zu den Thesen zum Camp, das ernste, argumentierbare (und dadurch oft offen oder über drei Ecken moralisch begründete) Urteil werde darin vom Geschmack abgelöst. Nun, M und ich verhandeln Geschmack, und wenn ich zum hellblauen Hemd und Desigual-Sakko, mit dem er unter der Eibe saß, auch nur mit Blicken etwas sagte, wusste ers schon. Das Gute an seinem Geschmack ist manchmal etwas sehr krass, fast unerhört: Während alle Arten von Arbeiter- Proletarier- und Hiphopperstilen längst schon hoch und runter zitiert, parodiert, adoptiert und integriert werden, blieb der "gute Stil des Kaufmanns" gänzlich verschont. Können die zarten Brechungen, die wir beide dabei empfinden, denn überleben, oder wird es eingehen in die Tristesse einer Szene, die einfach nicht links genug ist? Man muss ja nicht dazugehören, um so auszusehen.
Wie auch immer, zur Sache. Die Aufführung könnte subsumiert werden als Zerstreuung mit Intensitäten. Kritiken erwähnen Geisterbahn-Effekte. Das Hirn wurde, merkt der Zuschauer schnell, wohl in den ersten Proben schon weggepustet von den intensiven Emotionen, die Schauspieler gehen an ihre Grenzen, ohne dabei in Narrativen, Tragödien oder andere Sinnzusammenhänge als die Spektakelaufführung und deren logistischen Anforderungen eingebunden zu sein. Ist das befreiend? Nein, es sieht aus wie Sklaverei. Zumal idiotischerweise fast alle Darstellerinnen, aber keine der Darsteller sich ausziehen, weinen und geschlagen werden - eben von Männern, die nicht einmal ihre bodenlangen Ledermäntel dazu ausziehen. So weit, so dümmlich. Ich schau es mir dennoch alles mit Interesse an. Könnte es sein, dass dies der ungekannte Gipfel ist, auf den die Erlebniskneipen (Kitkatclub, Saunen und Darkrooms und so weiter) zeigen, vor dem sie aber selbst erschrecken würden? Man wendet hier gleich ein, jene Erlebnisorte seien um Welten besser, weil, wer reingehe, selbst erlebe, was er hier als Besucher bloß anschaue. Aber das Anschauen ermöglicht eben ein besseres Anschauen, ungetrübt von der eigenen Haut. Es ist still im Kopfbereich und keine Scham oder Pein hindert einen daran, die ganze Sache ästhetisch sofort total zu verurteilen, wenn man zusieht, wie eine junge Schauspielerin nackt an die Wand gekettet und ausgepeitscht wird, während sie das Fragment einer Geschichte um eine uminterpretierte Abmachung rezitiert, brüllt, heult. Man fragt sich schlicht, was man hier macht, warum man sich diese Reproduktion von stumpfsinnigen Klischees ansieht, und kann sich nicht festhalten an der Tatsache, dass man eigene Schwellen überschritte und daher wertvolle unangenehme Erlebnisse machte. Warum ist man da? Man ist hereingeraten, jaja. Und warum geht man nicht weg? Man denkt sich gerade eben das hier.
Im Programmheft wird Wagner in einer Vorrede zitiert, wo er eine Umkehrung der Zerstreuungsverhältnisse vorschlägt. Anstatt sich nach der Arbeit in der Oper zu zerstreuen (man denkt da schon eher an die Barock-, die Nummernoper, als die schon atmosphärisch verschluckenderen des 19. Jhts) solle man sich in Bayreuth untertags zerstreuen, um sich abends in der umfassenden, einigen Atmosphäre zu sammeln.
Ein Irrtum liegt in der Annahme, die Zerstreuung der Barockoper verhindere das Große (was immer das sein mag). Ich finde das Gegenteil: Drama und Oper des Barock sind so offen, so offensichtlich thesenbetont, dass man an jeder Stelle, angeregt von einem Bild, einer Situation, einem aufgeschnappten Detail, zu eigenen Gedanken abschweifen kann, und die sind eben nicht nur an Butterbrote - bloß vielleicht bei Wagner schon. Das Aufsuchen des Rausches, um sich gewissermaßen zusammenzuschmieden, ist mir ja gut bekannt. Ich weiß von meinen eigenen Konzentrationsschwierigkeiten, dass sie, kombiniert mit einer Baisse im Selbstwertgefühl, zu einer Art Sumpf führen: der Banalität, der Impotenz, Gedanken und Gefühle zu fassen, etwas zu verfolgen oder auch nur vollständig wahrzunehmen, und dass tatsächlich Rausch hilft. Aber ich halte es für einen Irrweg, dieses Hilfsmittel zur Hauptsache zu machen. Dass das ein Irrweg ist, ist der Grund, den ich dafür angeben kann, Leuten zu misstrauen, die pompöse Musik, Rausch, eine makellos illusionistische Umgebung brauchen, um sich und die Welt ernst zu nehmen. Die dann aber auch Alles, was sie und diese kleine Welt betrifft, wichtig nehmen und mit einem solchen Drama besprechen, dass man, steht man an der Schwelle, ist zufällig nüchtern oder kennt wirklich Wichtigeres, lachen oder kotzen muss. Solche Straußenfeder-und-Plüschgesellschaften üben auf mich, und ich glaube auf viele zur Zeit, dennoch Anziehung aus. Ich möchte als Sarkast, als Sophist, als Poklatscher in ihren Runden dabei sein. Dabei sind sie nur Ersatz-Symposien, haben bloß oberflächliche Eigenschaften des Symposions, ohne die Ansprüche guten Denkens, zu ihrem umschwärmten Ideal genommen.
Darin als advocatus diavoli einzubrechen ist aber kein sinnvolles, kein nobles Bestreben, sondern so feige wie sie, die natürlich, in ihren Badewannen des Wohlstands, des weinabhängigen Wahrheitssinns, sich mit allen Mitteln gegen Einbrüche und Spalten in ihrem uteralen Reich durch verächtliche Reden zu schützen versuchen, aber in Wirklichkeit eh nur durch Geld und Mauern vor der Klugheit geschützt sind. Andererseits erscheint Nachsicht auch übertrieben, zu viel haben sie schon mit sich selber.
Wir taten an dem Abend vielleicht das einzige, was übrig blieb, besoffen uns maßlos am gebotenen Wein, malten aufs Tischtuch, wurden hinausgeworfen und schliefen auf den Stufen des Burgtheaters selig ein, wobei eine von uns, habe ich mir sagen lassen, die Stufen wie ein vernunftverlassener Hund besabberte.
stabigabi1 - 19. Aug, 17:06
stabigabi3 - 17. Aug, 17:36
Ich an A.:
...Sie gelesen. Zum ersten Mal richtig. In Berlin muss ich andauernd unter einem gewissen Stress sein, oder durch die seltsam süße Not, die Sie in mir erwecken, dass ich, anstatt zu lesen, panisch überlegte, worauf darin ich wie reagieren soll. Ich glaube, das ersetzte die eigentliche Lektüre bei mir lange Zeit. Heidegger sagt ja, wir können noch immer nicht denken, daraus lässt sich ein running Gag mit Heilwirkung basteln. "Und, kannst du heute schon denken?" "Ja, weil gestern habe ich getrunken."
A. zurück:
In der Stabi habe ich mir Herder geholt. Seine Sprachtheorie erinnert mich an Bataille: alles ist kommunikation.
Denken und denken können sind sicherlich 2. Nietzsche nannte, was der Heidegger sagt, glaube ich: wir denken bisher nur mit dem Körper.
Zum gekonnten Denken gehörte bestimmt auch, die richtige Vorbereitung zum Verlassen des Denkens. Z.B. durch Feste. Ich vermute, wenn sowas fehlt, kommt es, an Festes statt, zu [schlimmen Anfällen].
Man kann sich nirgends herausnehmen. Denken macht einsam. Also muß im denken irgendwo diese Vorbereitung stattfinden, es zu verlassen. Vielleicht ist das ganze Denken ja darauf gerichtet, die Einsamkeit zu verlassen. Die Sprache und das Denken sind ja in gewissem Sinn auch 1, und sprache, wie Herder sagt, will, schon bei den Tieren, raus.
Denken und Können? Vielleicht kann das Denken überhaupt nur dazu dienen, etws zu können.
stabigabi1 - 17. Aug, 17:05
stabigabi3 - 17. Aug, 16:55
I Taste A Liquor Never Brewed: ich ertastete likör, so niemals gebraut, von tankern perlenhaft gereiht, und alle flöße auf dem rhein ergaben trunken sich. in-e-briat der luft bin ich, und debauchee of dew, ich gleite taumelnd an dem für immer abendoffnen sommertag entlang, zur einkehr eingeschmolzen blau. aus dem galahandschuh einer füchsin verweist der tender die betrunkne biene, schmetterlinge sagen sich dem umtrunk los. bis die schneebestäubten hüte der seraphen hochgerissen, heilige zu fenstern eilen, um sich das glück des kleinen suffki einzuspeisen, wie er an der sonne lehnt.
stabigabi3 - 17. Aug, 16:29
.. .. .. Willst du mit mir gehn, Fr. Hegel? .. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:11
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:10
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:10
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stabigabi3 - 17. Aug, 16:10
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stabigabi3 - 17. Aug, 16:09
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:08
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:08
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:07
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:06
.. .. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:06
.. .. ..
stabigabi3 - 17. Aug, 16:04
Hab heute Susan Sontags Skizzen zum Camp wiedergelesen. Im Moment mag ich ihr ruhiges, sicheres Urteil. Obwohl sich die Thesen wiederholen und ich insgesamt mit diesem Essay ein bisschen unzufrieden bin, zeichnet er eine Grenze präzise, nach der ich mich letztens gefragt habe angesichts der Bilder im Nationalmuseum in Edinburgh, die ich als Kitsch bezeichnet hätte, und die mich faszinieren. In ihrer allerletzten These kommt sie - raffiniert - darauf zu sprechen, was einem die ganze Zeit im Kopf brüllt: die Verbindung mit der Ökonomie. Camp, in seinem Ursprung in der Langeweile, wachse auf dem Boden des materiellen Überflusses. Nicht des persönlichen unbedingt, aber der Gegend. Sehr plausibel. Aber es reizt zum Gegenbeweis auch. Die Armut in betulich-häuslichen Gegenden, die Kältevorsorge - also, die Kälte zwingt einen zum Ernst. Aber ich sehe schon viel Dandytum unter den sehr armen in sehr armen Gegenden, es könnte also sein, dass sowohl null Besitz als auch soviel, dass man über Geld nicht nachdenken muss, Dandytum ermöglicht, der nur dann nicht aufkommt, wenn man die innere Unfreiheit des, weit gefasst, Kleinbürgertums hat.
stabigabi1 - 17. Aug, 16:02
Guten Tag.
"Was an die Oberfläche kommt, bringt seine passenden unersetzlichen Worte bereits mit, oder es existiert nicht."
stabigabi3 - 17. Aug, 14:03
Hiermit sei der Tisch abgewischt sodass man ausbreiten kann, was man will; ich hab noch nichts, denke noch darüber nach!
So etwas wie ein Lektüretagebuch führe ich zur Zeit, Hegel, Marx und Allfälliges (vorgestern Plutarch) das ist interessant, aber nicht fokussiert, deswegen zögere ich, das gleich hier einzuschleusen. Mag auch keinen Anlassaufsatz hier aufwärmen. Vielleicht komme ich eher auf was, was sich verzahnt, wenn jemand anderer schon was hat. Es muss ja wirklich nicht fertig sein; ob Stichwort oder zu bearbeitender Alttext, egal.
Herzlichen Gruß aus dem Cafe Espresso
Ann
stabigabi1 - 5. Aug, 14:56